Wer wir sind

An vielen Orten haben sich Räte der Religionen oder vergleichbare Strukturen gebildet (z. B. Runde Tische der Religionen, Foren der Religionen). Räte und Runde Tische der Religionen bemühen sich darum, möglichst viele religiöse und weltanschauliche Gemeinschaften dauerhaft ins Gespräch zu bringen. Oft fungieren Räte der Religionen auch als Türöffner für kleine Gemeinschaften und vermitteln bei Konflikten. Die Organisationsformen der Gremien unterscheiden sich von Ort zu Ort. Sie hängen zusammen mit Faktoren wie der Entstehungsgeschichte des Gremiums, der lokalen religiösen Landschaft und dem Engagement der beteiligten Akteure und Akteurinnen. Typischerweise vernetzen Räte der Religionen die Religionsgemeinschaften, fördern den Dialog mit der Kommune und der Gesellschaft, organisieren Veranstaltungen der interreligiösen Bildung und Begegnung, nehmen Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen, organisieren Friedensgebete und anderes mehr.

Am 16. und 17. September 2018 trafen sich in Frankfurt am Main erstmals Mitglieder interreligiöser Dialoginitiativen aus ganz Deutschland. 29 Städte waren beim ersten Bundeskongress der Räte der Religionen vertreten. Eingeladen hatten die Räte der Religionen aus Hannover und Frankfurt am Main. „Die Zeit war reif, die zahlreichen kommunal arbeitenden Dialoggremien, die in den letzten Jahren entstanden sind, überregional zu vernetzen“, erklärt der Vorsitzende des Frankfurter Rates der Religionen, Joachim Valentin. „Die Einwanderungsgesellschaft braucht starke interreligiöse Strukturen“, sagt der Vorsitzende des Hauses der Religionen in Hannover, Wolfgang Reinbold. „Die große Nachfrage bestätigt uns in unserer Überzeugung, dass Räte der Religionen ein Zukunftsmodell sind.“ Der erste Bundeskongress diente in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen.

Der 2. Bundeskongress der deutschen Räte der Religionen fand von Sonntag 22.09. auf Montag 23.09. in Hannover statt. Dieses mal verhandelten bereits 35 Interreligiöse Gremien aus Städten und Landkreisen in ganz Deutschland Themen des interreligiösen Dialogs, des Zueinanders von Staat und Religion und weitere aktuellen Themen. Prof. Dr. Hans Michael Heinig, Professor für Religionsverfassungsrecht an der Universität Göttingen, sprach über das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes und darüber, dass eine staatliche ‚Neutralität‘ die kommunale Förderung lokaler Religionsgemeinschaften keineswegs ausschließt, sondern sie eher gebietet, sofern niemand diskriminiert wird. Zum Abschluss des Kongresses verabschiedeten die anwesenden Räte einmütig eine gemeinsame Erklärung, die das Zueinander von Kommune und Religionen grundsätzlich bestimmt und ein deutliches Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes formuliert.

Am 13. September kamen die Räte der Religionen und andere interreligiöse Dialoginitiativen aus ganz Deutschland online über Zoom zum 3. Bundeskongress der Räte der Religionen zusammen. 69 Personen aus 32 Städten waren dabei. Einige Räte der Religionen wollen künftig städteübergreifende Arbeitsgemeinschaften gründen – zum Beispiel, um die Zusammenarbeit mit Schulen zu stärken. Auch sollen festere Strukturen für den Bundeskongress entstehen. Als erster Schritt ist die Bestimmung von Sprecher*innen angeregt worden, die den Kongress nach außen vertreten und jederzeit für Interessierte ansprechbar sind. Seit dem ersten Kongress in Frankfurt 2018 ist der Bundeskongress der Räte der Religionen nun zu einer festen Einrichtung geworden. Der nächste Kongress findet  am 12. und 13. September 2021 in Essen statt.